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Erinnerungen des Architekten

Es begann mit einem Architekturwettbewerb, der die Lösung in einer gemischten Anlage mit Alterswohnheim und Alterswohnungen vorsah. In der Erkenntnis, dass es wohl besser wäre, die Alterswohnungen vom Altersheim zu trennen, erfolgte eine zweite Projektausmarchung, die wir zu unsern Gunsten entscheiden konnten; ein Start für eine Zusammenarbeit, die bis heute 32 Jahre gedauert hat.

Voll Elan ging es an die Detailplanung, um dem Bürger möglichst bald ein abstimmungsreifes Projekt zu präsentieren. Der Verantwortung voll bewusst, wurde die Arbeit der Kommission wie des Architekten von Sachverständigen begleitet, die in der Stadt Zürich von Berufes wegen mit dem Bau und Betrieb solcher Häuser zu tun hatten. So kam es, dass man während dieser Projektierungsphase wöchentlich den Gang nach Zürich tat, um die Arbeiten bewerten zu lassen. Hie und da verflogen Tage und Nächte, ohne den nötigen Durchbruch zu erzielen. "Nimm mit, was du hast, wir gehen trotzdem, etwas bleibt nach einem Gespräch immer hängen", waren die Äusserungen unseres damaligen Baupräsidenten. Wie recht er hatte, denn das Gespräch war für uns tatsächlich Quelle für neue Gedankengänge. Ein Coaching also, wie wir es heute aus dem Sport zur Genüge kennen!

Leider wurden diese ersten Bemühungen nicht von der Gunst des Bürgers getragen. Den einen war das erste Projekt mit 60 Zimmern zu klein, den andern zu feudal. Dass man aber etwas für die Beherbergung unserer betagten Leute zu unternehmen hatte, war nach wie vor kaum bestritten.

Die Bau-Aufgabe wurde durch die Baukommission neu definiert. Zur Frage der Ideologie gesellten sich nun auch Fragen der Ökonomie, eine rationellere Lösung war anzustreben. Wie ernst die Kommission solche Fragen nahm, zeigte sich darin, dass in den Lagerhäusern ein Zimmer samt Möblierung eingerichtet wurde, um sich von den Grenzen der Reduktion zu überzeugen.

Der Bürger belohnte diese Anstrengungen in einer zweiten Abstimmung mit einem positiven Abstimmungsresultat von 3:1, die Bauarbeit konnte beginnen.   Ohne grosse Schwierigkeiten konnte danach die Baukommission ihres Amtes walten, drehten sich die Arbeiten vor allem in der Vorbereitung der Bauarbeiten zum Vollzug durch den Gemeinderat. Mitten in unserem Arbeitseifer hatten wir den allzu frühen Tod unseres damaligen Baupräsidenten zu beklagen, was uns alle sehr betroffen machte.

Betrieb auf der Baustelle entstand, als mit den ersten Baumaschinen für die Spundwände, den Aushub und die Bodenverdichtung aufgefahren wurde. Einer Unachtsamkeit des Maschinenführers zufolge verschwand im Sternschnuppentempo eine Bohrnadel im Erdreich, so weich war der Boden.   Parallel zu den Bauarbeiten war die Organisation des zukünftigen Altersheimbetriebes durch die Bestellung einer Betriebskommission angesagt. In monatlichen Abständen wurde getagt und die Bedürfnisse formuliert. Nach getaner Kommissionsarbeit lud meistens der "runde Tisch" und die Debatten gingen weiter... Als sehr wertvolle Begleiterscheinung entstanden tolle Kameradschaften, der Lohn für die Präsenz.

Das Leben im neuen Heim war nun angelaufen und da durften wir uns eines Legates erfreuen, das für künstlerischen Schmuck des Heimes bestimmt war. Eine weitere Kommission begann sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Nach einigen Beratungen war jedoch kaum zu übersehen, wie unterschiedlich die Auffassungen der Beteiligten waren, um einen angemessenen Kunstschmuck zu injizieren. "Gott gab die Zeit, von der Eile hat er nichts gesagt." So arbeitete die Zeit für sich und die Vergabung blieb vorerst unberührt.

Beengt von den räumlichen Verhältnissen und den betrieblichen Umständlichkeiten im Mehrzweckraum, wo heute die Verwaltung im Erdgeschoss ist, machte man sich Gedanken über den Anbau einer Kapelle mit Therapieräumen. 1982 war es soweit, der neue Bautrakt konnte bezogen werden. In Erinnerung der unangetasteten "Kunstkasse" wuchs der Gedanke, Sr. Raphaela Bürgi mit dem Entwurf von Glasmalereien zu beauftragen. Mit "mulmigem" Gefühl im Bauch bejahte man ihre Vorschläge, der Grundstein für ein grosses Werk war gelegt.

Man schreibt nun 1983, die Wände in den Gängen vermissen immer noch ihre Bilder. Und immer wieder war dies ein Thema, denn man wusste nicht so recht wie und was, abgesehen davon, dass, wie immer, um die Finanzierung gerungen wurde. Wir erinnern uns an den runden Tisch, wo wieder einmal heftig diskutiert wurde. Thema war die neue Technologie der farbigen Fotokopie. Das musste die Lösung für unseren Bilderschmuck sein. Postkarten aus Alt - Brunnen wurden farbig kopiert und vergrössert, durch emsige Frauen in die Wechselrahmen eingelegt und vom Heimpersonal an den Wänden platziert. Ein langjähriges Anliegen fand seine Verwirklichung.

Der Heimbetrieb nahm nun seinen Lauf und wurde durch die stetigen Veränderungen von Heimbewohnern und Personal geprägt, einmal etwas lebhafter, dann wieder etwas besinnlicher. Mit Qualität in Pflege und Betreuung versuchte man den Bedürfnissen der Heimbewohner immer gerecht zu werden. Die Voraussetzungen dafür waren mit der Erweiterung 1982 geschaffen.

Wie sich aber bereits Anfangs der 80iger Jahre abzuzeichnen begann, wurde dank den Erfolgen der Medizin und der Hausbetreuung das Eintrittsalter unserer Heimbewohner immer höher und damit verbunden die Pflegebedürfnisse intensiver. Wenn Heimleitung und Personal auch stets bemüht waren, diesem Umstand gerecht zu werden, war das ständig wachsende Bedürfnis nach entsprechenden Infrastrukturen und zusätzlichem Bewegungsfreiraum zu Gunsten der Pensionäre auf den Stockwerken nicht zu übersehen.

Diese Beweggründe führten nun zum zweiten Ausbau des Heimes. Die aktuellen Aktivitäten in Pflege und Betreuung werden damit erleichtert, in Entwicklung begriffene Pflegemodelle verbunden mit neuen Organisationsformen ermöglicht. Mögen nun die neuen und die sanierten Räume Heimbewohnern und Personal jenen Spielraum gewähren, der das Leben und Arbeiten im Heim erfordert.

Chronologie

1857
Erstes Gespräch im Gemeinderat über ein Armenhaus

1865
Die Armenhaus-Baukommission gibt dem Gemeinderat den Standort für den Bau bekannt.

1867
Schlüsselübergabe durch Landammann Auf der Maur im September.

1948
Mit der Einführung der AHV, und auch ab dem Zeitpunkt, als nicht mehr die Heimat- sondern die Wohngemeinde für die "Armengenössigen" zuständig wurden, verloren die Armenhäuser an Bedeutung. Das Haus wurde demzufolge Bürgerheim genannt.

1965
Die Erschaffung eines Alterswohnheimes kommt erstmals im Gemeinderat zur Sprache.

03.05.1967
Urnenabstimmung über den Standort.

15.12.1968
Urnenabstimmung über den Projektkredit (mit 524 Ja gegen 99 Nein angenommen).

18.08.1970
Ergebnis des Wettbewerbes wird bekannt gegeben.

08.04.1971
Auftrag an Othmar Freitag zur Überarbeitung seines Projektes.

15.12.1971
Urnenabstimmung über das Projekt (mit 338 Ja gegen 351 Nein abgelehnt, Stimmbeteiligung 51,4 %).

20.07.1972
Auftrag an den Architekten zur Überarbeitung des 1. Projektes.

28.01.1973
Urnenabstimmung über das 2. Projekt (mit 1053 Ja gegen 335 Nein angenommen, Stimmbeteiligung 43 %).

22.03.1974
Erster Spatenstich, Eröffnung der Bautätigkeit.

21.11.1975
Aufrichte des Hauptgebäudes.

27.02.1976
Baubeginn des Personalhauses.

04.06.1976
Aufrichte des Personalhauses.

22.-24.10.76
Tag der offenen Türe mit Bazar zu Gunsten des Alterswohnheimes.

25.11.1976
Übersiedlung der ehemaligen Bürgerheim-Pensionäre ins neue Alterswohnheim.

26.06.1977
Offizielle Einweihungsfeier.

14.06.1981
Urnenabstimmung über den Bau der Kapelle (mit 1088 Ja gegen 673 Nein wird zugestimmt).

1982
Bau des Therapieraumes und der Kapelle.

24.-26.09.1982
Feierliche Einweihung des Kultusraumes durch Bischof Dr. Johannes Vonderach.

März 1983
Die Glasmalereien von Sr. Raphaela Bürgi werden im Kultusraum eingesetzt.

Juni 1996
Der Wandel von einem Alters- zu einem Pflegeheim und eine allfällige Sanierung wird zum ersten Mal in der Betriebskommission thematisiert.

15.05.1997
Ein erweiterter Ausschuss der Betriebskommission (zuzüglich Pflegedienstleitung und Hauswart) trifft sich zu einer ersten Sitzung.

20.04.1998
Die vom Gemeinderat bestimmte Baukommission tagt zum ersten Mal.

28.11.1999
Urnenabstimmung über die Sanierung mit Investitionskosten von Fr. 6'046'330.00. (Mit 1227 Ja gegen 186 Nein wird die Sanierung gut geheissen).

16.06.2000
Baueingabe im Amtsblatt Nr. 24. Sept.

2000
Die Baubewilligung wird im September 2000 erteilt.

Jan. 2001
Beginn Sanierungsarbeiten.

31.10.2001
Aufrichte

08.06.2002
Eröffnungsfeier (Jubiläum / Einsegnung /Tag der offenen Tür).